Nach Seife braucht die Haut mehrere Stunden, um ihren pH-Wert wiederzufinden

Eine herkömmliche Seife ist alkalisch, mit einem pH-Wert um 9 bis 10. Nach dem Waschen steigt der pH-Wert der Hautoberfläche an, und es dauert mehrere Stunden, bis er wieder seinen gewohnten sauren Wert erreicht.

Diese Zeitspanne ist normal. Die Haut kann ihren Säuregrad selbst wiederherstellen. Es ist lediglich hilfreich zu wissen, dass es diese Zeitspanne gibt und was in dieser Zeit geschieht.

Der Ausgangspunkt: eine saure Oberfläche

Ohne kürzliches Waschen oder aufgetragene Produkte gemessen, ist die Hautoberfläche leicht sauer. Eine Studie mit 330 Freiwilligen schätzte ihren «natürlichen» pH-Wert auf durchschnittlich 4,7 (Lambers et al., 2006). Die üblichen Werte liegen je nach Körperzone, Alter und Gewohnheiten zwischen 4 und 6.

Dieser Säuregrad entsteht in der Hornschicht, der obersten Schicht der Epidermis. Mehrere Mechanismen tragen dazu bei, darunter die Produktion freier Fettsäuren und der Abbau bestimmter Proteine (Proksch, 2018).

Was eine Seife bewirkt

Seife entsteht durch die Reaktion eines Fettstoffs mit einer Base. Das Endprodukt ist alkalisch. Eine indische Studie hat den pH-Wert handelsüblicher Toilettenseifen gemessen: Die meisten lagen zwischen 9 und 10 (Tarun et al., 2014).

Bei Kontakt mit der Haut neutralisiert diese alkalische Lösung einen Teil der Säure an der Oberfläche. Der pH-Wert der Haut steigt sofort an. Das Ausmass des Anstiegs hängt vom Produkt, der Waschdauer und dem Abspülen ab.

Synthetische Reinigungsmittel, sogenannte Syndets, können mit neutralem oder leicht saurem pH-Wert formuliert werden. In einer Vergleichsstudie erhöhten sie den pH-Wert der Haut weniger stark als Seife (Korting et al., 1987).

Die Rückkehr zum Säuregrad braucht Zeit

Nach dem Waschen mit Seife sinkt der pH-Wert der Haut allmählich wieder. Ein japanisches Forschungsteam fasst den Wissensstand so zusammen: Der pH-Wert steigt nach der Reinigung an und kehrt dann «innerhalb einiger Stunden» zu einem saureren Wert zurück (Takagi et al., 2015).

Wasser allein hat bereits eine Wirkung. In Europa hat Leitungswasser oft einen pH-Wert nahe 8. Laut Lambers und seinen Kollegen kann bereits einfaches Abspülen den pH-Wert der Haut bis zu sechs Stunden lang erhöhen, bevor er zum Ausgangswert zurückkehrt (Lambers et al., 2006).

Dieselbe japanische Studie liefert eine ermutigende Nuance. Sie verglich Personen, die seit mehr als fünf Jahren Seife verwendeten, mit Personen, die einem leicht sauren Reinigungsmittel treu blieben. Die Geschwindigkeit der Rückkehr zum ursprünglichen pH-Wert war in beiden Gruppen gleich. Die langjährige Verwendung von Seife schien die Fähigkeit der Haut, ihren Säuregrad wiederherzustellen, nicht zu beeinträchtigen (Takagi et al., 2015).

Warum diese Stunden zählen

Während dieser Zeitspanne arbeitet die Hautoberfläche bei einem höheren pH-Wert als gewöhnlich. Mehrere Prozesse der Hornschicht sind jedoch auf ein saures Milieu eingestellt. Das gilt für die Enzyme, welche die Lipide der Hautbarriere zusammensetzen und deren Aktivität bei saurem pH-Wert optimal ist (Proksch, 2018).

Ein einzelnes Waschen bleibt eine kurze Episode. Die Frage stellt sich vor allem, wenn sich die Waschvorgänge wiederholen. In einer Cross-over-Studie wuschen zehn gesunde Freiwillige Stirn und Unterarm vier Wochen lang zweimal täglich, zuerst mit Seife und dann mit einem Syndet oder in umgekehrter Reihenfolge. Während der Seifenphase war der pH-Wert der Haut im Durchschnitt um 0,3 Einheiten höher (Korting et al., 1987). Die Autoren schliessen daraus, dass sich der pH-Wert der Haut je nach Waschgewohnheiten dauerhaft verändern kann.

Einige Anhaltspunkte für die Körperpflege

  • Lauwarmes Wasser genügt für die tägliche Körperpflege.
  • Ein kurzes Waschen, begrenzt auf die Zonen, die es benötigen, verkürzt die Kontaktzeit.
  • Ein sorgfältiges Abspülen entfernt Produktrückstände, die auf der Oberfläche verbleiben.
  • Der pH-Wert des Reinigungsmittels steht manchmal auf der Verpackung. Ein pH-Wert nahe dem der Haut verändert den Säuregrad der Oberfläche weniger.
  • Die Häufigkeit zählt ebenso viel wie das Produkt. Zwei vollständige Waschungen pro Tag beanspruchen die Haut stärker als eine.

Wenn sich Ihre Haut trotz sanfter Pflege unangenehm anfühlt, sprechen Sie mit einer Dermatologin oder einem Dermatologen.

Dieser Artikel ist Teil der PHYTO 5 Bibliothek.

Quellen

  1. Korting HC, Kober M, Mueller M, Braun-Falco O. Influence of repeated washings with soap and synthetic detergents on pH and resident flora of the skin of forehead and forearm. Results of a cross-over trial in health probationers. Acta Dermato-Venereologica. 1987;67(1):41-47. DOI : 10.2340/00015555674147
  2. Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P. Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. International Journal of Cosmetic Science. 2006;28(5):359-370. DOI : 10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x
  3. Proksch E. pH in nature, humans and skin. The Journal of Dermatology. 2018;45(9):1044-1052. DOI : 10.1111/1346-8138.14489
  4. Takagi Y, Kaneda K, Miyaki M, Matsuo K, Kawada H, Hosokawa H. The long-term use of soap does not affect the pH-maintenance mechanism of human skin. Skin Research and Technology. 2015;21(2):144-148. DOI : 10.1111/srt.12170
  5. Tarun J, Susan J, Suria J, Susan VJ, Criton S. Evaluation of pH of bathing soaps and shampoos for skin and hair care. Indian Journal of Dermatology. 2014;59(5):442-444. DOI : 10.4103/0019-5154.139861
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